Stippvisite im Freakyversum

Stippvisite im Freakyversum
Stippvisite im Freakyversum

Ich arbeite jetzt schon seit vielen Jahren im Freakyversum, pardon, in der IT und mir sind bereits sehr viele typische Klischee-Erfüller über den Weg geschlurft. Ob sie gerade gedankenverloren mit offener Hose vom stillen Örtchen kommen oder ihren Kugelschreiber an der Heizung festbinden, damit er nicht ausversehen entwendet wird. Ihre vorherrschende Kommunikation zelebriert die Maximen Sparsamkeit und Effizienz mit marathoniker Ausdauer und treibt die meisten „normalen“ Menschen nach kurzer Zeit in den digitalen Wahnsinn. Es gibt dabei mannigfaltige Ausprägungen dieses Menschenschlags und ich möchte für sie an dieser Stelle eine Lanze brechen: auch sie sind im Grunde ganz normale Menschen!
Wie ich sowas nur schreiben kann?!
Nun ja, ich war ja selbst eine gute Dekade lang ein vollwertiges Mitglied dieser Population!

Der Mensch – das Schubladentier

Schubladentier "Mensch": Aus diesem Freakyversum kommt man nur schwerlich wieder raus!
Schubladentier „Mensch“: Aus diesem Freakyversum kommt man nur schwerlich wieder raus!

Schubladen helfen uns nicht nur bei der Ordnung von Batman-Socken und Superman-Unterwäsche, nein, sie sorgen auch für Entlastung im Gehirn. Gleichartige Dinge kommen in dieselbe Schublade, denn da gehören sie schließlich auch hin. Es erleichtert uns Menschen neben der Suche zudem die Einschätzung und Bewertung – auch und gerade bei Mitmenschen!

Ist jemand nur mit Vorsicht zu genießen oder ein ganz entspannter Kumpeltyp? Ist er kompetent, in dieser Hinsicht noch „ausbaufähig“ oder eher „verschlimmbessernd“? Draußen an der Schublade steht es dran und man weiß umgehend Bescheid.
Das ist grundsätzlich auch eine feine Sache.
Nur ist dieses Schubladendenken oftmals eine Einbahnstraße.
Einmal drin, gibt es zumeist kein Zurück mehr.
Das ist manchmal ziemlich schade, da der erste Eindruck nicht immer der richtige sein muss!

Trotzdem tun wir es.
Und zwar tagtäglich und überall! Ganz intuitiv.
Da stellen die Bewohner im IT-Kosmos keine Ausnahme dar.

Schubladen für Entwickler im Freakyversum

Der Mensch das Schubladentier
Der Mensch das Schubladentier

Bei den Entwicklern im Freakyversum gibt es natürlich auch verschiedene Typen.
Und entgegen der landläufigen Meinung reicht eine einzige kleine Schublade dafür nicht im Geringsten aus!
Hier ein paar Beispiele:

Der Bemühte – im Rahmen seiner Möglichkeiten

In seiner Superman-Unterhose und mit vollem Elan stürzt er sich für Sie kopfüber in scheinbar irreparable Schäden und macht daraus häufig genug, nun ja, tatsächlich irreparable Schäden…

Tipps zur Zusammenarbeit

Grundsätzlich ist der Bemühte eine gute Unterstützung. Sie müssen nur den Rahmen seiner Möglichkeiten kennen und die Arbeitsaufträge tunlichst nur in diesem ansiedeln! Machen Sie ihm glasklare Vorgaben mit Bild und Text nach dem KLV-Prinzip und lassen Sie ihn am besten auch noch mit eigenen Worten erklären, was der von Ihnen genannte Auftrag genau ist. Nicht schaden kann auch eine stete iterative Abstimmung inklusive gemeinsamer Tests, damit Sie ggf. frühzeitig korrigierend eingreifen können.
Er ist da, wenn Sie ihn brauchen und sie können sich auf ihn verlassen – wenn Sie im Rahmen seiner Möglichkeiten bleiben.

Der kompetente Heißluftballon

Achtung! Kontextfreie Zone!
Hier war mal wieder der kompetente Heißluftballon am Werk…

Sauna-Kommunikation par excellence weht Ihnen bei diesem Kuriosum entgegen. Soll heißen, er redet und redet und redet – aber nur heiße Luft. So jemand wollte mir einmal „virtuelle Programme“ verkaufen. Dabei hatte ich ihm eigentlich ziemlich klare Anforderungen vorgegeben und auch regelmäßig im Wochentakt nach einem aktuellen Status oder zu klärenden Themen gefragt. Er faselte dann immer wie ein Wasserfall, dass er eigentlich schon alles fertig habe (als „virtuelles Programm“) und mir umgehend Bescheid gibt, wenn es testfähig wäre. Leider blieben wir immer im virtuellen Konjunktiv und echte Ergebnisse waren Mangelware.

Dabei war er fachlich wirklich gut! Nur konnte er seine Qualifikation einfach nicht effektiv in konkrete Ergebnisse umwandeln. Er hatte ja nach eigener Aussage auch immer viel zu viel zu tun, was nach Rücksprache mit seinem Chef überraschenderweise irgendwie dann doch ganz anders sein müsste…
Kommunikation war leider ebenfalls nicht seine Stärke. Stattdessen schien er sich vom Wind mal hierin und mal dorthin treiben zu lassen. Es gab aber auch einfach zu viele verlockende und interessante Themen – nur scheinbar nicht meinen Arbeitsauftrag.

Tipps zur Zusammenarbeit

Was mir bei der Zusammenarbeit mit diesem umtriebigen Freakyversum-Einsiedlerkrebs am meisten geholfen hat war eine sehr aktive, permanente Steuerung und Kontrolle meinerseits in Bezug auf Arbeitsauftrag und Ergebnisse. Ich bot ihm immer wieder proaktiv Hilfe bzw. Klärungsgespräche an, falls von ihm einfach kein verwertbarer Output kam oder er den Eindruck erweckte, dass er etwas nicht verstanden hatte. Auch forderte ich stark frequentiert die Präsentation des aktuellen Status an und fragte nach, ob er noch spezielle Testdaten benötigte, um bestimmte Prozesse testen zu können.
Hatte ich das Gefühl, dass die genannten Maßnahmen nicht griffen oder er mal wieder meinte, er hätte so viele andere Themen auf dem Tisch, bot ich ihm klärende Gespräche mit seinem Vorgesetzten an. Natürlich oft genug wohlwissend, dass er weder zu viele Themen auf dem Tisch hatte, noch wirkliche Herausforderungen (außer seiner eigenen Arbeitsmoral).

Der Pflicht(enheft)bewusste und -fixierte

Patent für ein entspanntes Miteinander
Patent für ein entspanntes Miteinander

„Das steht so nicht im Konzept!“
Ein Satz, der diesem Entwicklertyp gefühlt im Minutentakt entfleucht.
Auf der einen Seite hat er natürlich Recht, wenn Sie mit Abwandlungen um die Ecke kommen, die so nicht direkt im Konzept stehen. Jedoch gehe ich persönlich an Projekte immer recht pragmatisch heran.
Ich versuche zunächst so detailliert und genau wie möglich die Anforderungen zu verstehen, offene Punkte zu klären, mögliche Lösungsszenarien zu skizzieren und schlussendlich das Konzept gemeinsam mit meinen Kunden zu erstellen.
Häufig laufen einem dabei aber Aspekte über den Weg, die man zum Zeitpunkt der Konzepterstellung noch nicht hinreichend klären und fixieren kann. In solchen Fällen lasse ich dann eine Aufwandsschätzung auch genau eine solche sein.
Eine ungefähre Schätzung.
Gepaart mit etwas Puffer, gewürzt mit eigenen Erfahrungen mit dem Anforderer und abgeschmeckt mit einem Ausblick auf den voraussichtlich beteiligten Entwickler ergibt sich dann eine konkrete Zahl.

Ich finde, dass alle Beteiligten bei der Realisierung von Kundenwünschen so ziel- und lösungsorientiert wie möglich agieren sollten. Dazu gehört für mich auch eine gesunde Prise Flexibilität, ob das nun bei der kreativen Gestaltung oder auch mal einem kleinen Schlenker abseits des Pflichtenheftes ist, der zu einem noch besseren Endergebnis führt.

Der „Pflichtenheftbewusste“ ist davon leider eher weniger überzeugt.

Tipps zur Zusammenarbeit

Wenn ich mit einem dieser wortgetreuen Freakyversum-Spezialisten zusammenarbeite, investiere ich oft viel Zeit für eine nachhaltige Überzeugungsarbeit. Aspekte dabei sind die Vermittlung des betriebswirtschaftlichen Hintergrunds, der Prozessauswirkungen seiner Entwicklung und die positiven Effekte auf Kunden und -zufriedenheit. Auf dieser Basis erreiche ich zumeist nach und nach, dass wir ein einheitliches Verständnis vom gewünschten Endergebnis erhalten – und dieses auch mal mit dezenten Abweichungen vom Almanach der Pflichten erreichen.

Selbstverständlich nehme ich auch immer alle etwaigen Abweichungen vom Pflichtenheft in die Dokumentation auf, sodass stets alles nachvollziehbar und transparent bleibt. Damit ist dann selbst der Pflichtenheftbewussteste glücklich!

Die eierlegende Wollmilchsau

Kleine Anerkennung für die eierlegende Wollmilchsau!
Kleine Anerkennung für die eierlegende Wollmilchsau!

Er ist der Versteher, der Mitdenker und der Mitgestalter im Freakyversum und ihn wünscht sich jeder Berater zu Weihnachten!
Dieses absolute Paradebeispiel für eine effiziente Zusammenarbeit ist zumeist schon fast fertig mit der Entwicklung, wenn er sich Ihren Arbeitsauftrag nur einmal „kurz und grob“ für eine Schätzung angesehen hat. Vorzeigbare Prototypen, konstruktive Rückfragen und Flexibilität bei der Gestaltung – die eierlegende Wollmilchsau der Entwicklung kann einfach alles!
Selbst wenn es mal ein wenig anders im Konzept steht: Wenn das Gesamtergebnis dadurch für den Kunden besser wird und die Aufwände nicht explodieren, dann setzt er es um!
Noch dazu ist er (proaktiv) kommunikationsstark und persönlich unkompliziert – der ideale Sparringspartner in der IT.

Sie haben so jemanden „an der Hand“? – Dann kann ich Ihnen nur von Herzen gratulieren und nachdrücklich empfehlen, ihn nicht wieder los zu lassen!
Mit ihm macht es so richtig Spaß, die Wünsche Ihrer gemeinsamen Kunden umzusetzen und auch ihm selbst scheint es Freude zu bereiten, ein optimales Endergebnis abzuliefern. Also sorgen Sie für eine ehrliche, authentische und langfristig angenehme Zusammenarbeit!

Tipps zur Zusammenarbeit

Arbeiten Sie einfach genauso professionell wie Ihre eierlegende Wollmilchsau – und Sie werden so ziemlich ALLES schaffen! Reibungslos funktioniert die Zusammenarbeit, wenn Sie rege und aktiv kommunizieren, gemeinsam Ideen einbringen und auch einmal gemeinsam mit Ihrem Kunden einen Termin abhalten. Ihr Vorzeige-Entwickler meistert auch diese für jemanden aus der „Entwickler-Schublade“ sehr herausfordernden Part mit Bravour. Ganz nebenbei sind solche Termine für ihn oft eine willkommene Abwechslung zum Büroalltag und dieser gesunde „Tapetenwechsel“ verschafft ihm einen noch besseren Einblick in die Bedürfnisse Ihrer gemeinsamen Kunden. Daraus entstehen in der Regel am Ende dann noch deutlich bessere Ergebnisse – und strahlende Gesichter Ihrer Kunden.
Meinen herzlichsten Glückwunsch!

Und noch ein paar wichtige Tipps

  • Wann immer es geht und nicht unsinnig erscheint: skizzieren Sie die Anforderungen bildhaft. Jeder hat seine ganz eigenen Assoziationen von verbal umschriebenen Anforderungen. Eine visuelle Darstellung erstickt zumeist sehr unerwartete Missverständnisse direkt im Keim!
  • Versuchen Sie, den betriebswirtschaftlichen Hintergrund so gut und einfach wie möglich zu vermitteln, damit der Sinn und Zweck der Entwicklung nachvollziehbar wird. Dieses Vorgehen bietet sich übrigens nicht nur für Entwickler, sondern alle an der Konzeption und Realisierung beteiligten an.
  • Stellen Sie saubere und eindeutige Testdaten zur Verfügung – für jeden konkreten Anwendungsfall. So erleichtern Sie nicht nur die Entwicklung für den Programmierer, sondern können auch selbst deutlich besser testen und sogar dem Kunden klar demonstrieren, wie seine Prozesse abgebildet werden. Eine zwar etwas aufwändigere, aber auch ziemlich lohnenswerte und geniale Win-Win-Win-Situation!
  • Verschriftlichen Sie alle Korrektur- und Anpassungswünsche, die sich während Ihrer Tests ergeben. Wenn Sie dabei auch noch eine saubere Nummerierung vergeben, können Sie die Themen elegant und nachvollziehbar Punkt für Punkt (nach)testen und abhaken. Legen Sie diese Dokumentation direkt auch noch zur ursprünglichen Anforderung ab, so haben Sie sogar das „Wie“ und „Warum“ Ihrer (ggf. leicht abschweifenden) Kreuzfahrt durchs Pflichtenheft ganz nebenbei professionell dokumentiert.
  • Definieren Sie bei Auswertungen bzw. tabellarischen Darstellungen jede einzelne Spalte so genau wie möglich. Also z.B. wie sich ein darin angezeigter Wert errechnet, von welchen Faktoren er abhängig ist oder generell wo die angezeigten Daten herkommen.
    Die meisten Softwaresysteme bieten die Möglichkeit, Hilfetexte direkt zu den einzelnen Spalten zu hinterlegen (Hilfefunktion, Kommentare o.ä.).
    Machen Sie von dieser so banal klingenden Funktion bitte regen Gebrauch, denn Sie können sich und dem Anwender viele unnötige Fragen dadurch effektiv ersparen! Spätestens nach ein paar Monaten weiß nämlich niemand mehr, wie ein bestimmter Wert zustande kommt oder was dieser zu bedeuten hat. Und dann kommen Sie einfach elegant mit Ihrer Hilfe(funktion) um die Ecke…

Quintessenz

Immer schön im Blick behalten: die Quintessenz!
Immer schön im Blick behalten: die Quintessenz!
  • Je nach Entwicklertyp gestaltet sich die Zusammenarbeit sehr unterschiedlich. Mit den aufgeführten Tipps und ein wenig Empathie werden Sie aber auch diese kleine Herausforderung im Freakyversum professionell meistern.

Hier geht es wahnsinnig interessant weiter

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