Sind Sie ein anonymer Verbaloholiker?

Kommunikationsleitfaden für anonyme Verbaloholiker
Kommunikationsleitfaden für anonyme Verbaloholiker

Heute kam ich mir mal wieder vor wie im Club der anonymen Verbaloholiker. Die berühmte Selbsthilfegruppe für Schwerverständige mit dem Fokus auf „Nicht-Kommunikation“ und „Arbeitsverweigerung mit Lotus-Effekt“ war nämlich mal wieder in absoluter Höchstform!

Der Blinde unter den Einäugigen ist auch noch Verbaloholiker

Bei einem meiner heutigen „Patienten“ ging es um aktuell anstehende, fachbereichsseitige Tests. Irgendwie fühlte er sich schon dazu berufen, dann aber irgendwie auch wieder nicht. Letztendlich haben wir deutlich länger über die dazu nötigen Tätigkeiten und eine vorteilhafte Kommunikation diskutiert, als er für eine gewissenhafte Erledigung der Aufgaben benötigt hätte – inklusive ausführlicher Instruktionen meinerseits und Dokumentation seinerseits. Dabei beschwerte er sich lauthals, dass „andere“ das unscheinbare Ehrenamt der Versteher, Tester und Voranbringer nach etlichen Jahren der undankbaren Nebenbei-Erledigung an den Sargnagel gehängt hätten und er sich nun damit beschäftigen müsse, solle, ach nein, natürlich „wolle“. Nur hätte er ja so überhaupt keine Zeit im Moment und sowieso.

Verbaloholiker-Selbstfindungspilgerreise

Ich komme irgendwie nicht weiter...
Ich komme irgendwie nicht weiter…

Während er so vor sich hin verbalisierte zeigte ich ihm mehrere sinnvolle Möglichkeiten auf, wie er diesen Umstand professionell kommunizieren könne. Auch den Tipp, die organisatorischen Herausforderungen á la „Niemand und Keiner kümmern sich mal wieder nicht um viel zu viele Aufgaben“ gab ich ihm mit auf seine Selbstfindungspilgerreise. Natürlich offerierte ich ihm auch meine Unterstützung in dieser „weltverändernden“ Angelegenheit.

Da war dann aber leider das überbordende Engagement dieses waschechten Tausendsassas auch schon wieder am etwas enttäuschenden Verbaloholiker-Ende angelangt. Irgendwie schade.

Der Widerspenstigen Zähmung

Dass ein Verbaloholiker keine rein maskuline Domäne ist, davon wurde ich leider heute ebenfalls überzeugt. Denn da war noch eine unwissende unwillige Widerspenstige mit ausgeprägter Aufgabentellerrandangst telefonisch zu mir unterwegs. Sie hatte von einer gesellschaftlichen Änderung über prozesslückenhafte Umwege Wind bekommen und wollte nun klären wer was wo genau anpassen müsse im System. In diesem Zuge ließen ihre Fragen und Aussagen ziemlich schnell klar werden, dass die Dame keine wirkliche Ahnung von der Materie hatte, es aber meinte mir weismachen zu können.

Sie verbalisierte in feinstem Verbaloholiker-Hochdeutsch eine Aufgabe nach der anderen für mich, obwohl eigentlich nur sie Aufgaben dabei hatte. Und das mit einer Überzeugung, die ich so noch nicht erlebt hatte. Auch dieser Verbaloholiker kostete mich einige Minuten, um ihm zu verstehen zu geben, dass er hier der einzige wäre, der in dieser Angelegenheit aktive Aufgaben hätte. Dabei blieb ich nüchtern-sachlich und zeigte ihr auf, dass dieser Prozess nur allzu offensichtliche Lücken und Holprigkeiten aufweist.

Hilfe zur Selbsthilfe

Zunächst schlug ich ihr nur vor, dass sie diesen Prozess doch einmal direkt in ihrem Bereich klären könne, zumal er ja genau dafür prädestiniert sei. Daraufhin bekam sie eine ausgeprägte Tellerrandangst gepaart mit waschechter Arbeitsphobie. Wie ein Aal versuchte sie sich aus diesem Würgegriff selbst zu erledigender Arbeit zu winden.

Nit quake – make!

Nit quake - make!
Nit quake – make!

Ich ging dann schnell dazu über, sie aktiv und sehr nachdrücklich darum zu bitten sich ggf. mit einem ihrer Kollegen abzustimmen und dieses Thema eigenständig zu klären. Wenn es notwendig wäre würde ich natürlich gerne im Nachgang auch unterstützen können.

Wissen Sie, was sie abschließend zu mir meinte? Sie würde sich dann an den von mir vorgeschlagenen Kollegen wenden (er sitzt ca. 5m von ihr entfernt) und er solle dann einen Termin zur Klärung mit mir vereinbaren. Da ich den Kollegen sehr gut kenne, werde ich dann vor allem das unprofessionelle und arbeitsverweigernde Verhalten dieses femininen Verbaloholikers klären.

Der Aussteigenden Ahnungslosigkeit

Auch Verbaloholiker wollen verstanden werden
Auch Verbaloholiker wollen verstanden werden

Zu trauriger Letzt sprach ich noch mit einer anderen Patientin über aktuelle Herausforderungen ihrer Positionserbin. Das System sah bei „der neuen“ ganz anders aus als sie es von ihrem System gewohnt war. Ein fernmündlicher Hilferuf in meine Richtung sollte das Mysterium klären. Glücklicherweise war mir diese Anomalie wohl vertraut und ich konnte die Damen systemtechnisch schnell wieder „stabilisieren“.

In diesem Zuge führte ich die beiden Ladies noch ein wenig virtuos-virtuell in ihrem IT-Kosmos herum. Dabei zeigte ich wie selbstverständlich auch ein paar spezielle Programme, die für eine erhebliche Vereinfachung und Beschleunigung ihrer täglichen Arbeitsschritte sorgen. Als die Scheidende das sah, konnte selbst ich am Hörer ihre Kinnlade in den Keller sausen hören – dicht gefolgt von ihrer Stimmung, Zufriedenheit und einem kleinen Tränenwasserfall! Das in meinen Augen wirklich Beschämende war nämlich, dass ihr niemand während ihrer Einarbeitung davon auch nur ein Sterbenswörtchen erzählt hatte. So viel zum Thema „Saubere Kommunikation“ und „Proaktiver Know How-Transfer“…

Ausgetrockneter Informationsfluss

Damit ist doch alles gesagt!

Eben ein waschechtes Paradebeispiel fahrlässig unterlassener Information durch unprofessionelle Verbaloholiker! Immerhin bestärkte es sie nachhaltig in der Entscheidung ihres aktiven Positionswechsels. Und ihrer Nachfolgerin wurde aus Versehen das Glück zuteil, dass sie von den diversen digitalen Helferlein erfahren hatte.

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich über all die Abgründe zwischenmenschlicher Kommunikationsgräueltaten lachen oder weinen soll. Auf jeden Fall ist dieser Tag endlich rum und ich hoffe auf ein für alle besseres Morgen!

Quintessenz

Immer schön im Blick behalten: die Quintessenz!
Immer schön im Blick behalten: die Quintessenz!
  • Kommunikation ist zuweilen etwas Sonderbares, aber richtig angewandt ist sie nicht nur nützlich, sondern auch nachhaltig erfolgreich.
  • Nehmen Sie sich ein Negativ-Beispiel an den genannten Verbaloholikern – und machen Sie’s bitte besser. Inspiration dafür finden Sie bei „IT ist der Wahnsinn“ ja nun wirklich zuhauf!

Hier geht es wahnsinnig interessant weiter

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