Personalkarussell im Turbo-Modus?! – Ciao Know How!

Achtung, wenn sich das Personalkarussell mal wieder zu schnell dreht...
Achtung, wenn sich das Personalkarussell mal wieder zu schnell dreht…

Hier geht es zu wie auf dem Rummelplatz, wenn das unternehmensinterne Personalkarussell mal wieder den Turbo einschaltet. Ganz nebenbei sorgt dies sehr schnell für allseitige Übelkeit und würdelosen Würfelhusten.

Dabei könnte man ja zunächst meinen, dass „neue Besen gut kehren“, aber Qualitätsoffensive für jedermann und dann auch noch ohne fundierte Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten – das kann auch sehr schnell nach hinten los gehen. In meinem Umfeld wurde ich leider schon des Öfteren Opfer eines personellen Tornados. Selbst vor langjährigen und erfahrenen Mitarbeitern macht dieses windige Ungetüm nicht Halt und so entreißt es dem Unternehmen oftmals eine Menge Fach- und Prozesswissen, welches dann mühsam wieder zusammengeklaubt und aufgebaut werden muss. Die Folgen sind wie beim meteorologischen Vorbild meist noch Jahre später erkennbar, wenn die Schneise der Know How-Verwüstung immer noch deutlich zu erkennen ist.

Unbewusste Bewusstlosigkeit

Das Schlimme an diesem Know How-Verlust ist leider, dass viele Arbeitgeber und Personalverantwortliche diesen nicht sehen oder gar wahrhaben wollen. Und das ist eine sehr kritische Fehlhaltung, wie ich finde! Es ist ein bisschen so, als würden Sie den einzigen Piloten Ihres mit Ihrem Team vollbesetzten A380 während eines Transatlantikfluges mit einem Fallschirm aus dem Cockpit entlassen.

Da gibt es dann günstigere Nachfolger, die meinen alles besser (oder überhaupt) zu können und auch mutig am Cockpit schrauben, bis irgendetwas freudig blinkt und piept. Dass leider dabei der Auto-Pilot deaktiviert und rapider Sinkflug initiiert wurden, wird allen Beteiligten leider viel zu spät klar.

Hyperventilation dank Fluktuation

Und wenn man schon so schön im Teufelskreis der Wissensdrainage ist und nur noch Rinnsale seiner selbst umherträufeln, dann fällt die Aufrechterhaltung der Geschäftsprozesse immer schwerer. Prozessuale Schnappatmung gepaart mit strategischer Kurzatmigkeit münden dann unermüdlich und beinahe unaufhaltsam im total hektischen Reaktionismus und Lückenstopferei.
Wie schon geschrieben: beinahe unaufhaltsam!

So treten Sie beim Personalkarussell elegant auf die Bremse

Herzlich Willkommen im Team!
Herzlich Willkommen im Team!

Was meinen Sie, wie könnten Sie das Personalkarussell aktiv bremsen?
Und was könnten Anreize für Ihre Mitarbeiter sein, nicht vor job-technischer Übelkeit auf ein attraktiveres „Fahrgeschäft“ umzusteigen?
Erst kürzlich habe ich bei einem sehr lösungsorientierten, modernen und pragmatischen Ressortleiter ein paar Maßnahmen mitbekommen, die ich ziemlich spannend finde.

Fördern und fordern statt faulen und jaulen

Dank immer gleicher monotoner Tätigkeiten ohne persönlichen Spielraum zur Gestaltung und Verbesserung fängt ein Mitarbeiter über kurz oder lang innerlich an zu verfaulen. Oder natürlich zu kündigen. Beides ist nicht nur eine ziemliche Sauerei, sondern auch noch absolut überflüssig.
Geben Sie Ihren Mitarbeitern doch konkrete Themengebiete mit auf den Weg und definieren Sie lediglich Ziele, die eigenverantwortlich erreicht werden sollen.

Sie wollen ja schließlich nicht die ganze Arbeit selbst machen und nur menschliche Schreibmaschinen um sich herum anhäufen. Stattdessen ist Ihnen mit selbstdenkenden, verantwortungsbewussten und selbständigen Wesen langfristig am meisten geholfen.
Hier ein wenig Inspiration zum Fordern:

Protokollieren und dokumentieren

Sie haben ein gemeinsames Meeting? – Prima! Dann wählen Sie doch zu Beginn direkt einen (idealerweise freiwilligen) Protokollführer aus. Ihm obliegt es nun, alle im Rahmen des Termins besprochenen Inhalte zu notieren und anschließend verständlich aufzubereiten.
Warum ist das sinnvoll?
Weil der Mitarbeiter wichtige von unwichtigen Dingen zu unterscheiden lernt. Er verinnerlich ganz nebenbei, dass es immer einen Verantwortlichen inkl. Zieltermin für eine Aufgabe geben muss. Auch müssen Entscheidungen schriftlich fixiert werden, damit sie nachvollziehbar sind.
Die Aufgaben müssen anschließend von ihm strukturiert in eine Offene-Punkte-Liste überführt werden, um sie vernünftig nachhalten zu können. Dabei bekommt er mit, dass eine Aufgabe häufig Prozesse tangiert, die er dadurch (noch besser) kennenlernt.

Lösungen eigenständig und eigenverantwortlich erarbeiten

Sie geben nur das Ziel und die Rahmenbedingungen vor. Wie Ihr Mitarbeiter dieses erreicht ist dabei ihm überlassen.
Bei den ersten „Gehversuchen“ wird er vermutlich noch etwas wackelig und unsicher die Umsetzung angehen. Von Mal zu Mal wird er aber immer mehr Erfahrung sammeln und souveräner sein Ziel erreichen.

Es ist für ihn natürlich leichter, Sie bei jedem kleinen Stolpersteinchen um Hilfe zu bitten, aber Sie sollten ihn ermuntern, zunächst eigenständig zu versuchen, die Steine aus dem Weg zu räumen. So kommen die kleinen grauen Zellen mit der Zeit immer besser in Schwung und die vielen kleineren und größeren Erfolgserlebnisse stärken Selbstbewusstsein und fördern die Persönlichkeitsentwicklung.

Natürlich ist Ihr Mitarbeiter auch für das Nichterreichen von vereinbarten Zielen selbst verantwortlich. Bleiben Sie dabei aber immer fair und differenzieren mit ihm, was er und was andere dabei zu verantworten haben.
In diesem Zuge können Sie auch gemeinsam konstruktive Verbesserungsvorschläge erarbeiten – denn aus Fehlern lernt man immer noch am besten.

Ergebnisse präsentieren
Klare Ergebnisse - glasklar präsentiert!
Klare Ergebnisse – glasklar präsentiert!

Ja, viele hassen es, das leidige Präsentieren vor versammelter Mannschaft oder gar vor anderen Fachbereichen und „hohen Tieren“. Vielen von uns ist das Präsentieren nicht in die Wiege gelegt worden. Das ist aber gar nicht weiter schlimm, handelt es sich dabei doch auch nicht um eine Raketenwissenschaft. Wenn Ihre Mitarbeiter ohnehin schon mit Ihnen vereinbarte Ziele erreichen sollen, dann können sie die Ergebnisse ja auch gleich vernünftig aufbereiten und – Sie ahnen es schon – präsentieren!

Es fällt viel leichter Themen vorzustellen, die man eigenständig erarbeitet hat. Dabei hat man ein Thema erst dann richtig verstanden, wenn man es nach dem KLV-Prinzip vermitteln kann. Und wenn man soweit ist, muss man auch keine Angst mehr vor einer Präsentation haben.
Schon wieder eine schöne Win-Win-Situation!

Die Präsentation hat ja keinen reinen Selbstzweck und dient erst recht nicht der eleganten Schikane. Stattdessen hilft sie Ihren Mitarbeitern dabei, das freie Sprechen und Vorstellen von Themen zu üben. Darüberhinaus zapfen Sie und das gesamte Auditorium fundiertes Wissen direkt aus der Quelle!
Sie werden ja schließlich nicht berufsfremde Themen präsentieren lassen, sondern Aspekte, die Sie und Ihr gesamtes Team beruflich voranbringen.

Teamwork – and the team works

Auch das kann den einen oder anderen Mitarbeiter ganz schön fordern! Ist er nämlich eher ein Einzelgänger, dann wird es ihm nicht wirklich leicht fallen, im Team Lösungen zu erarbeiten. Da Teamwork aber ein sehr wichtiger „Soft skill“ ist, sollten Sie im Interesse des Mitarbeiters und Ihres gesamten Teams (Sie eingeschlossen!) gemeinsam an dieser Fähigkeit arbeiten. Seien es kleinere Aufgaben oder gar Projekte, die gemeinschaftlich erarbeitet werden sollen. Sie finden sicherlich geeignete Kandidaten dafür.

Fortschritt statt Fortgang

Den Fortschritt immer schön im Blick behalten!
Den Fortschritt immer schön im Blick behalten!

Fordern Sie Ihre Mitarbeiter auf, bestehende Prozesse auch einmal zu hinterfragen und nicht alles nur stupide abzunicken getreu dem Motto „Das haben wir immer schon so gemacht!“. Ermuntern Sie Ihr Team auch dazu, eigene Ideen zur Verbesserung zu entwickeln und haben Sie stets ein bis zwei offene Ohren für sie. Oft sind es die kleinen Dinge, die eine nachhaltig große Wirkung erzielen. Und sei es nur, dass der Mitarbeiter merkt, dass er ernst genommen und noch dazu als mitgestaltender Teil des Unternehmens erkannt wird. Selbst wenn die Idee vielleicht noch nicht ganz das Gelbe vom Optimierungs-Ei ist, so kann sie vielleicht doch inspirieren und zu etwas noch Besserem weiterentwickelt werden.
Geben Sie dann noch Ihrem Ideengeber die Möglichkeit, seinen Vorschlag aktiv in die Tat umzusetzen, werden Sie miterleben, wie er immer weiter über sich hinaus wächst. Das zu beobachten und zu unterstützen ist eine sehr erfüllende Erfahrung.

Ganz nebenbei erhalten Sie auch ein immer besseres Gefühl für Ihren Mitarbeiter. Sie können die Dinge erkennen, welche ihn beschäftigen oder für die er „ein gutes Händchen“ hat. Dies befähigt Sie wiederum, ihn optimal im Team einzusetzen und noch bessere Gesamtergebnisse zu erzielen. Natürlich merken Sie auch mit der Zeit, bei welchen Themen Sie ihm noch unter die Arme greifen können. Sei es nun beim Üben von Präsentationen oder der nach außen gerichteten Kommunikation – jeder hat noch Potential, welches Sie gemeinsam heben können.

Freuen statt feuern

Erkennen Sie die Leistungen Ihres Teams an – und zwar von jedem Einzelnen! Klar ist es im Grunde selbstverständlich, dass man sein Bestes im Job gibt und nach bestem Wissen und Gewissen unterstützt. Dennoch ist Anerkennung und aufrichtige Wertschätzung ein essentielles Mittel, um Ihre Mitarbeiter langfristig zu motivieren und zu halten.
Oder freuen Sie sich nicht, wenn Sie „von oben“ auch mal gelobt werden?
Mich persönlich motiviert dieses Verhalten deutlich nachhaltiger als z.B. eine Prämie oder ein Bonus!

Feedback statt F*ck off

Die Mischung macht´s! Auch beim Führungsstil!
Die Mischung macht´s! Auch beim Führungsstil!

Während ich diesen Artikel so schreibe fällt mir auf, dass der oben erwähnte Führungsstil auch ziemlich genau dem meiner Vorgesetzten entspricht. Ich finde, dass er eine sehr vorbildliche, nachhaltige und gesunde Art der Personalverantwortung darstellt. Und zwar für alle Beteiligten. Angefangen beim Mitarbeiter über den Vorgesetzten bis hin zum Unternehmen selbst werden so viel bessere Ergebnisse erzielt, da sie aus dem Mitarbeiter selbst heraus kommen und nicht erzwungen wurden.

Und für etwas, dass Sie selbst (mit)gestaltet haben, setzen Sie sich doch sehr viel effektiver und engagierter ein als für Lösungen, die Ihnen einfach vorgesetzt wurden. Zusätzlich haben Sie ein signifikant besseres Verständnis von den neuen Prozessen und Systemen, da Sie von der Idee über die Konzeption bis hin zu Realisierung und Produktivbetrieb aktiv einbezogen wurden.

Sollten Sie diesen Führungsstil (immer) noch nicht aktiv ausprobiert haben, so kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen, dies schleunigst nachzuholen!

Quintessenz

Immer schön im Blick behalten: die Quintessenz!
Immer schön im Blick behalten: die Quintessenz!
  • Sie haben es als Führungskraft selbst in der Hand, wie schnell sich das Personalkarussell in Ihrem Team dreht.
  • Gestalten Sie Ihren Führungsstil aktiv und proaktiv, damit Sie für Ihr Unternehmen nachhaltig führen.
  • Leben Sie es Ihrem Umfeld vor – und gestalten Sie die Unternehmenskultur aktiv mit!
  • Persönlicher Handlungsfreiraum und Entwicklungsmöglichkeiten sind wichtige Faktoren für zufriedene Mitarbeiter und ein funktionierendes Team.

Hier geht es wahnsinnig interessant weiter

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