Biologische Reproduktion aus technischer Sicht – Maintenance

Maintenance beginnt schon direkt nach dem Schlüpfen
Maintenance beginnt schon direkt nach dem Schlüpfen

Fortsetzung zu Biologische Reproduktion aus technischer Sicht:
Der Übergang in die Maintenance ist erfolgt und direkt nach dem Rollout traten die ersten technischen Probleme auf:
Es liefert ständig Output und das stinkt den Betreuern ganz gewaltig!

Alle Maßnahmen zur Behebung dieses Problems (bis hin zur vollständigen Versiegelung) scheiterten, so dass nun ein zunächst zweijähriger Supportvertrag abgeschlossen wurde. In dieser Zeit hoffen wir das Problem in den Griff zu bekommen. Wir müssen jedoch auch stets zeitnah den anfallenden Output entsorgen.

Damit das Problem nicht all unsere Ressourcen aufbraucht, haben wir ein extern entwickeltes Zusatzmodul eingekauft. Es fungiert als temporäre Lagerstätte direkt vor der entsprechenden Schnittstelle und wird einfach nur angedockt. So bleibt das Ganze eine einigermaßen saubere Sache.

Never change…

Next Generation…a sleeping system!
Sobald das System in den Standby-Modus versetzt wurde, ist es deutlich wartungsärmer und weniger fehleranfällig.
Dieser Modus bietet sich besonders nachts an, um selbst auch ein wenig Zeit zum Schlafen zu finden und das System nicht so intensiv betreuen zu müssen.

Never change…

…an eating system!
Damit sich unser „Baby“ vernünftig weiterentwickeln kann, muss es stetig mit neuem Input versorgt werden.
Im Input-Modus sollte davon abgesehen werden, diesen zu unterbrechen, da es dann häufig zu unkontrollierten, lauten, ja beinahe brutalen Störgeräuschen kommt.
Sollte es dennoch einmal notwendig sein, weil z.B. der Input erst einmal verarbeitet werden und Stör-Daten entfernt werden müssen, so sind diese Downtimes im eigenen Interesse kurz zu halten und zielorientiert zu nutzen.
Nach Beendigung des Input-Modus ist der Output zu kontrollieren und gegebenenfalls zu entsorgen.

Lage- und Bewegungssensor

Eigentlich nur ein nice-to-have, entwickelt sich dieses Feature für das System zum echten Lieblingsmodul…
…auch wenn es noch nicht optimal feinjustiert scheint.
Der Sensor schlägt nämlich immer nur in Momenten der Ruhelage an, führt dann zu einer unangenehmen Rückkopplung mit dem Sprachsystem und verstummt erst, wenn das System bewegt wird.
Manchmal sind die Fehlermeldungen auch nicht ganz eindeutig und da hilft dann nur neuer Input…

Multifunktionstools aktiviert

Heute wurden die Greifwerkzeuge bzw. Multifunktionstools aktiviert, scheinen aber noch kein echtes Feingefühl zu haben.
Immerhin lassen sich erste Fortschritte erkennen und die K.I.-Anbindung hat sich wunderbar etabliert – mit sichtbarem Erfolg!

Opto-Motorik

Die Opto-Motorik befindet sich nun in der Alpha-Version.
D.h., die Greifwerkzeuge werden nun im Zusammenhang mit den Signalen der optischen Sensoren eingesetzt, wodurch sich zielgerichtetere Aktionen durchführen lassen.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist somit erreicht!

K.I.?

Heute haben wir die ersten Anzeichen für das Funktionieren unserer implementierten K.I. beobachtet.
Es fand eine als recht kontrolliert zu bezeichnende Kombination und Interaktion verschiedener Komponenten statt:
Die optischen Sensoren erfassten ein externes System und dirigierten es mithilfe der Greifwerkzeuge zum Input-Modul.
Das Ganze wurde hier bei uns intern liebevoll „Schnuller-Rückhol-Automatik“ getauft und wird sicherlich noch auf andere externe Systeme anwendbar sein.
Das Beobachten der selbständigen Entwicklung wird immer spannender!

Re-Flux-Kompensator

Nach dreitägiger externer Wartung stellte sich heraus, dass wir gar keinen Fehler in unserem neuen Lagesensor hatten, sondern im Ventil zwischen Inputkanalisierung und -verarbeitung.
Je nach Lage kam es zu ungewolltem Input-Reflux, welcher durch unser integriertes Mikrophon zwar mitgeteilt wurde, jedoch noch schwierig zu interpretieren war. Es hörte sich wie ein schmerzerfülltes Gebrabbel an, was uns nach etwa drei Tagen Dauerstress zur externen Wartung veranlasste.
Nun haben wir einen (Re)Flux-Kompensator implementiert, der durch Aufbereitung des Input das Problem unter Kontrolle bringen soll.
In etwa 4 Monaten wissen wir mehr…

Multi-Touch 2.0

Kommunikation in Reinform...
Kommunikation in Reinform…

Die neue Technologie haben wir Omni-Touch genannt.
Es fasst alles an.
Wirklich ALLES!
Kaum hat es seine Greifwerkzeuge einigermaßen im Griff, befinden sich diese im Dauereinsatz.
Und auch die nonverbale Kommunikation wird ausprobiert – leider…

 

Trotz Maintenance: Denial of Service

Seit dem Rollout haben wir mit häufigen Angriffen auf die Firewall zu kämpfen. Immer wieder kommen fiese Viren durch und infizieren das System, bis es komplett lahm liegt. Aber das System ist lernfähig und wir sind guter Hoffnung, dass es mit der Zeit deutlich robuster und widerstandsfähiger wird.
Teilweise müssen wir momentan sogar externen Support konsultieren, wenn wir mit unserem Viren-Latein am Ende sind.

247-Support

Das ist uns eine Lehre!
Wir hätten doch das Kleingedruckte unseres Wartungsvertrages studieren sollen. Zwar waren wir uns schon darüber im Klaren, dass wir den Rund-um-die-Uhr-Service angeboten hatten, aber dass er in diesem Umfang auch genutzt werden würde, damit haben wir beim besten Willen nicht gerechnet!
Und bislang ist uns auch noch von keinem Konkurrenzprodukt (andere Kinder) berichtet worden, welches derart wartungsintensiv ist.
Natürlich könnte man nun dem Trugschluss erliegen, dass wir vielleicht optimierungsbedürftige Qualität abgeliefert hätten, aber da müssen wir aufs Heftigste widersprechen!
Unser System hat eben „Charakter“ und ist etwas ganz Besonderes!

Integrationsschwierigkeiten

Wir waren gerade bei Version 2.0 als die erste größere Integration in eine fremde Systemlandschaft (Kindergarten) angegangen wurde. Es dauerte schlussendlich über zwei Jahre bis die Systeme einigermaßen aufeinander abgestimmt waren. Anschließend konnten sogar schon die Schnittstellen zu einigen Fremdsystemen (Freunde) analysiert und implementiert werden.

Change Requests

Wir waren gerade bei Version 2.0 als die erste größere Integration in eine fremde Systemlandschaft (Kindergarten) angegangen wurde. Es dauerte schlussendlich über zwei Jahre bis die Systeme einigermaßen aufeinander abgestimmt waren. Anschließend konnten sogar schon die Schnittstellen zu einigen Fremdsystemen (Freunde) analysiert und implementiert werden.

Produktstrategie

Nachdem wir es nun schon bis Version 4.0 weiterentwickelt haben sind wir uns sicher: Unser System, welches auch schon Kindergartenkinder beeindruckt, wird später Schule machen und viele Freunde finden.
Doch die langjährige, kräftezehrende Entwicklung hat auch Spuren bei uns hinterlassen. Spuren, die uns eine schwere Entscheidung haben fällen lassen: Wir haben uns aktiv gegen ein Multiprojektmanagement entschieden und somit wird unsere Produktfamilie nicht weiter wachsen.

Wobei das auch gar nicht nötig ist.
Wir haben nämlich unser revolutionäres Meisterstück erschaffen.
Sulli, wie wir es liebevoll nennen, wird irgendwann sogar in der Lage sein, seine ganz eigene Produktfamilie zu entwickeln und an die Frau zu bringen.

Evolution

Als wir gerade die stabile Version 6.2 erreicht hatten, entschieden wir uns für einen Wechsel der Entwicklungsumgebung. Es war an der Zeit, dass unser Modell „Schule machte“.

Ideal erschien uns dazu eine Einrichtung ganz in unserer Nähe, spezialisiert auf die Weiterentwicklung von Produkten wie dem unsrigen. Dort wurden viele verschiedene Exemplare – teilweise sogar aus anderen Kulturen – gemeinsam und integriert-integrativ verbessert. In jeweils etwa 45-minütigen Lerneinheiten mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten wurden unsere Modelle getestet, mit jeder Menge neuem Input versorgt und feinjustiert.
Regelmäßige Testphasen dienten dem Qualitätsmanagement und zeigten schnell erste Erfolge.

Dynamische Interfaces

Zwischen den verschiedenen Produkten bildeten sich rasch neue Schnittstellen und Kommunikationsstandards, die – zum Leidwesen der Entwickler – gerne auch mal während der Lerneinheiten ausprobiert wurden.
Überhaupt scheint unser System sehr von seiner neuen Umgebung angetan. Es möchte selbst in der Zeit, die es in der heimischen Systemumgebung verbringt, seine Schnittstellen und Interaktionen mit seinen neuen „befreundeten Systemen“ ausbauen.
Eine wirklich spannende Phase.

Ungeplante Downtime

Und eines Tages geschah es dann doch.
Der Super-GAU für jeden Produktmanager.
Rien ne va plus – nichts geht mehr!
Unser Spitzenprodukt schien den Geist aufzugeben.
Es brachte unkontrolliert Output aus den olfaktorischen Rezeptoren zu Tage, wurde sehr träge und lief heiß, sehr heiß.

Bei einer so langsam ziemlich kritischen Betriebstemperatur von 40°C – es war eigentlich nur für ca. 37°C konzipiert – zogen wir dann zur Sicherheit noch einen externen Berater hinzu, der sich unser Sorgenkind einmal ganz genau ansah. Er hatte sogar einen Doktortitel und machte seine Arbeit in seiner Werkstatt, die er passenderweise als „Praxis“ titulierte, wirklich gut.

Nach einem intensiven Systemcheck hatte er auch schon ein Rezept für seinen kleinen Patienten parat, um die Fehlfunktionen in den Griff zu bekommen. Er meinte, es würde ein paar Tage dauern, bis sich alle Komponenten wieder normalisiert hätten, war sich seiner ‚Diagnose‘ und gewählten ‚Therapie‘ aber sehr sicher.
Und er sollte Recht behalten.
Nach ein paar weiteren wartungsintensiven Tagen und Nächten wurde es endlich spürbar besser.

Doch was war überhaupt geschehen?
Lange hatten wir herum gerätselt, der Vorfall ließ dann aber doch nur einen einzigen Schluss zu:
Unser System hatte sich einen Virus eingefangen!
Vermutlich war eines seiner befreundeten Systeme gehackt und mit einem verbreitungsfreudigen Parasiten ausgestattet worden, der nun auch unsere Sicherheitsmaßnahmen und Firewalls geknackt hatte.

Es war an der Zeit, sich schleunigst nach einer besseren Anti-Viren-Software und weiteren Security-Produkten für unser System umzusehen und sie zeitnah einzurichten, um weitere Ausfälle weitestgehend zu vermeiden.

Materialermüdung

An jedem System nagt der Zahn der Zeit.
So leider auch bei unserer Eigenentwicklung.
Wir hatten zwar eine lange Lebensdauer eingeplant und es auch dafür konzipiert, jedoch waren manche Bauteile den Dauerbelastungen nicht nachhaltig gewachsen.

Schon nach den ersten sechs Jahren mussten die weißen Inputverarbeitungselemente ausgetauscht werden. Nach und nach fielen sie schlichtweg aus, was unser System aber überraschenderweise komplett eigenständig in den Griff bekam. Es schien, als würden sie einfach „nachwachsen“ und durch verbesserte Versionen ersetzt.
Höchst bemerkenswert!

Hoffen wir mal, dass es keine Konstruktionsfehler gibt und sie nun deutlich länger halten als unsere „Erstausstattung“. Wir werden auf jeden Fall vorsorglich noch die Routinen optimieren, die für die Reinigung und Instandhaltung zuständig sind. Es scheint fast so, als gäbe es Parallelen zu den Milchzähnen bei Kindern…

Lessons Learned

Nicht nur die Hardware entwickelt sich weiter, besonders natürlich auch die Software bedarf der steten Verbesserung und Optimierung. In den ersten Jahren in seiner neuen Entwicklungsumgebung legten wir den Fokus ganz klar auf Kommunikation, Sprachverständnis und mathematische Grundkenntnisse. Diese sollten als Basis für die Implementierung weiterer Features und Komponenten dienen.
Erste Zwischentests bestätigten bereits den Erfolg dieser Strategie und stellen einen wichtigen Faktor bei der Maintenance unseres Systems dar.

IP69-Klassifizierung

Seeräuber
Seeräuber

Parallel zur Weiterentwicklung seiner Software haben wir intensiv daran gefeilt, auch diverse sinnvolle Klassifizierungen zu erhalten.
Besonders das nasse Element sollte keine Schwierigkeiten mehr bereiten, so dass wir hier viel Zeit investiert haben. Die physischen Voraussetzungen hatten wir schon in der Realisierungsphase geschaffen, indem wir eine semipermeable Schicht wie eine Haut kreiert hatten.

In wöchentlichen Lerneinheiten wurden seine Routinen für die Koordination im Wasser Stück für Stück erweitert und sozusagen „trainiert“. Da es keine trivialen Algorithmen zu implementieren galt, zog sich die Realisierungsphase über ein halbes Jahr hinweg. Aber dann – sogar für uns ziemlich überraschend – bestand es den ersten Klassifizierungstest und erhielt die begehrte Auszeichnung.

„Pinguin“ nannte man dies liebevoll, was zugegebenermaßen ja auch viel schöner klingt als „IP66-Zertifizierung“.
Das schien unser System anzuspornen, sich auch noch an weiteren „Abzeichen“ zu versuchen. Ein bisschen CPU-Zeit später folgte dann auch schon die IP67-Zertifizierung, die auf den klangvolleren Namen „Seepferdchen“ hörte.

Seinen „Freischwimmer“ hat unser System dadurch zwar noch nicht, aber ich glaube, es ist „auf den Geschmack gekommen“, wie man so schön sagt.
Nachdem unser System sich mittlerweile durch allerlei Tests im nassen Element stetig und eigenständig weiterentwickelt hatte, ist es in Version 8.4 sogar noch zwei Stufen in der Zertifizierung aufgestiegen.
Unter den Zertifizierungen „Seeräuber“ und „Bronze“ wurde es bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit getestet – und für gut befunden!
Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass es sich darüber freut…

Ein echtes Expansionsobjekt

So langsam geht das für uns ganz schön ins Geld.
Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht irgendein Teil von unserem Nachwuchsprojekt seine Spezifikationen verändert und es sich selbst expandiert. Es scheint fast so, als würde es das natürliche Wachstum von Lebewesen imitieren.
Sehr zu unserem Leidwesen, denn dann müssen wir wieder alle maßgeschneiderten Abdeckungen und Isolierungen neu erwerben. Schicht um Schicht, von der Thermoisolation inklusive Regenschutz bis hin zum Bodenkontaktschoner mit Stoßdämpfung und Laufprofil.
Nach spätestens drei Monaten passt nichts mehr davon.
Gar nichts.

Wenn sich unser System dann bewegt, sieht es immer so aus, als hätte man einem Kind zu kleine Sachen angezogen. Rost und Beeinträchtigungen in der Funktionsweise in Form von unkontrolliertem Output an den Geruchsrezeptoren oder eine erhöhte Betriebstemperatur sind dann kaum mehr abwendbar.
Ein untrügliches Zeichen, schnell zum Fachgeschäft für derlei Isolationen und Systemausstattungen zu müssen und das Schlimmste zu verhindern.
Maintenance kann ganz schön ins Geld gehen…

Verschärfend hinzu kommen seine neu implementierten Isolationsalgorithmen.
Vorher konnte man einfach so und ohne das eigene System zum Fachhandel schlendern und ihm eine den eigenen preislichen Vorstellungen entsprechende Ausstattung besorgen.
Heute will es immer mit und wählt auf nicht immer für uns nachvollziehbare Weise Isolationen und Ausrüstung aus, die auch preislich häufig nicht unsere Vorstellungen widerspiegeln.
Harte Diskussionsrunden gilt es dann mit seiner immer stärkeren K.I. zu überstehen. Und er wird (leider) immer erfolgreicher.
Mal sehen, wie lange wir damit noch im Projektbudget bleiben…

Wahnsinnig teilenswert!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 × fünf =